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Arbeitsrechtskanzlei Groll & Partner, Arbeitsrecht Frankfurt














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Darf der Arbeitgeber Urlaub widerrufen?


Die Sommerferien stehen bevor und die Fu├čballweltmeisterschaft hat begonnen, ein Gro├čteil der deutschen Arbeitnehmer hat in den n├Ąchsten Wochen Urlaub. In diesem Zusammenhang stellen sich viele Menschen die Frage, wie sicher ihr bereits genehmigter Urlaub ist und ob sie eine K├╝ndigung riskieren, wenn sie ohne Absprache mit ihrem Chef in den Urlaub gehen.

Dem Urlaub wird im deutschen Arbeitsrecht ein hoher Stellenwert zugeschrieben: das Bundesurlaubsgesetz hei├čt nicht ohne Grund ÔÇ×Mindesturlaubsgesetz f├╝r ArbeitnehmerÔÇť. Hiernach stehen jedem Mitarbeiter grunds├Ątzlich 20 Tage Urlaub zu, bei einer Sechstagewoche sind es 24 Tage. Die meisten Arbeits- oder Tarifvertr├Ąge sehen jedoch h├Âhere Urlaubsanspr├╝che vor.

Es liegt grunds├Ątzlich nicht in der Macht des Arbeitgebers festzulegen wann seine Mitarbeiter in den Urlaub gehen. Vielmehr muss sich das Unternehmen an den W├╝nschen der Arbeitnehmer orientieren. Daf├╝r gibt es eine einfache Grundregel:

Der Urlaub muss beim Arbeitgeber beantragt und von diesem genehmigt werden. Dabei hat das Unternehmen die Urlaubsw├╝nsche des Arbeitnehmers zu ber├╝cksichtigen und soll den Urlaub m├Âglichst zusammenh├Ąngend gew├Ąhren. H├Ąufig gibt es Urlaubslisten, in die am Jahresanfang die W├╝nsche eingetragen werden.

Der Arbeitgeber muss daraufhin den Urlaub gew├Ąhren, es sei denn, es stehen dringende betriebliche Erfordernisse oder die Urlaubsw├╝nsche anderer Mitarbeiter entgegen, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, etwa weil sie Kinder haben. Verweigert das Unternehmen grundlos den Urlaub, kann der Mitarbeiter mit guten Erfolgsaussichten seinen Urlaub beim Arbeitsgericht durchsetzen.

Ein Recht auf Selbstbeurlaubung gibt es jedoch nicht, der Urlaub muss beantragt und auch genehmigt sein. Verschwindet der Mitarbeiter ohne Absprache in den Urlaub, stellt dies eine Vertragsverletzung dar. Der Betreffende muss mit der K├╝ndigung seines Arbeitsverh├Ąltnisses rechnen, gleichzeitig verliert er f├╝r diese Zeit seinen Anspruch auf Gehalt.

Ist der Urlaub jedoch einmal genehmigt, kommt der Arbeitgeber in der Regel nicht mehr davon ab. Sobald er dem Mitarbeiter erkl├Ąrt hat, dass er zu einer bestimmten Zeit Urlaub hat, muss er sich meistens daran festhalten lassen. Um einen einmal genehmigten Urlaub zu widerrufen, sind vor Gericht gro├če H├╝rden zu meistern. Das Unternehmen muss bildlich gesprochen kurz vor dem Zusammenbruch stehen, bevor es einen Mitarbeiter aus dem bereits angetretenen Urlaub zur├╝ckrufen darf (vgl. BAG 20.6.2000, NZA 2001, 100).

Das musste in diesen Tagen auch ein Softwareunternehmen lernen, bei dem mehrere Mitarbeiter wegen Krankheit ausfielen. Es forderte kurzerhand einen EDV-Spezialisten auf, seinen genehmigten Urlaub um zwei Wochen zu verschieben. Der weigerte sich und fuhr in den Urlaub. Nach seiner R├╝ckkehr fand er eine K├╝ndigung wegen ÔÇ×eigenm├Ąchtiger UrlaubnahmeÔÇť in seinem Briefkasten.

Der Mann klagte gegen die K├╝ndigung und die Richter gaben ihm Recht: bereits erteilter Urlaub d├╝rfe nur bei existenzbedrohenden Schwierigkeiten widerrufen oder verschoben werden, blo├če organisatorische Probleme reichen daf├╝r nicht aus (Arbeitsgericht Frankfurt ÔÇô 22 Ca 4283/05). Der Gang zum Anwalt hat sich gelohnt, das Unternehmen muss den Mitarbeiter nun weiterbesch├Ąftigen.


Thomas Gmerek
Rechtsanwalt






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