Impressum Anfahrt Impressum Datenschutzerklärung

Arbeitsrechtskanzlei Groll & Partner, Arbeitsrecht Frankfurt














kanzlei groll & partner » newsletter » online lesen



K√ľndigung wegen Krankheit


Kann ein Arbeitnehmer die K√ľndigung erhalten nur weil er krank ist? Darf √ľberhaupt w√§hrend einer Krankheit gek√ľndigt werden? Riskiert man eine K√ľndigung, wenn man trotz Krankheit das Haus verl√§sst um z.B. einzukaufen? Um diese Fragen ranken sich einige popul√§re Missverst√§ndnisse, die an dieser Stelle aufgekl√§rt werden sollen.

Weit verbreitet ist der Irrtum, ein Unternehmen k√∂nne w√§hrend einer Krankheit von vornherein keine K√ľndigung aussprechen. Das ist falsch, der Arbeitgeber muss nicht warten, bis der Arbeitnehmer wieder gesund im Betrieb erscheint, um ihm dann die K√ľndigung zu √ľbergeben. Auch w√§hrend einer Krankheit kann dem Mitarbeiter jederzeit eine K√ľndigung zugehen, sei es per Post, sei es durch einen Boten.

H√§ufig trifft man auf die Ansicht, dass einem Mitarbeiter wegen einer Krankheit nicht gek√ľndigt werden kann. Auch das trifft nicht zu. Grunds√§tzlich wird von der Rechtsprechung anerkannt, dass ein Arbeitsverh√§ltnis gek√ľndigt werden darf, weil der Arbeitnehmer l√§ngere Zeit erkrankt ist. Diese sog. krankheitsbedingte K√ľndigung ist jedoch an sehr strenge Voraussetzungen gebunden.

Hier wird zwischen h√§ufigen Kurzerkrankungen und einer lang anhaltenden Dauererkrankung unterschieden. In beiden F√§llen ist auf Basis der bisherigen Erkrankungen eine negative Gesundheitsprognose f√ľr die Zukunft notwendig. Ferner muss es aufgrund der entstandenen krankheitsbedingten Fehlzeiten zu konkreten St√∂rungen im Betriebsablauf oder zu erheblichen wirtschaftlichen Belastungen durch die Entgeltfortzahlung gekommen sein. Im Rahmen einer Interessenabw√§gung wird dann gekl√§rt, ob die Erkrankung auf betriebliche Ursachen zur√ľckzuf√ľhren ist bzw. ob der Mitarbeiter auf einem leidensgerechten Arbeitsplatz weiterbesch√§ftigt werden kann. An dieser Stelle ist auch zu beachten, dass Unternehmen neuerdings gehalten sind, ein sog. ‚Äěbetriebliches Wiedereingliederungsmanagement‚Äú f√ľr langzeitkranke Mitarbeiter durchzuf√ľhren.

Die √ľberwiegende Zahl der krankheitsbedingten K√ľndigungen scheitert schon daran, dass der Arbeitgeber vor Gericht nicht beweisen kann, dass auch in Zukunft mit weiteren krankheitsbedingten Ausf√§llen zu rechnen ist. Im Prozess werden hier die behandelnden √Ąrzte als Zeugen geh√∂rt, die in den meisten F√§llen von einer baldigen Genesung des Mitarbeiters berichten.

Viele Menschen denken schlie√ülich, dass sie sich w√§hrend einer Krankheit nicht aus dem Haus bewegen d√ľrfen, weil sie sonst eine K√ľndigung riskieren. Diese Angst ist unbegr√ľndet. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts darf ein Arbeitnehmer w√§hrend einer Krankheit grunds√§tzlich alles tun, was seine Genesung nicht gef√§hrdet. In den meisten F√§llen wird er also das Haus verlassen d√ľrfen, um z.B. Eink√§ufe zu erledigen. Selbst der Besuch eines Freibades kann unsch√§dlich sein.

Ein grob genesungswidriges Verhalten kann jedoch zur K√ľndigung f√ľhren. Dies musste auch ein Mitarbeiter erkennen, der wegen einer Hirnhautentz√ľndung krankgeschrieben war. Er fuhr dennoch in den Skiurlaub und brach sich das Bein, was seine Arbeitsunf√§higkeit verl√§ngerte. Hier kannte das BAG kein Pardon, zumal der Mann selber Arbeitsmediziner war: die K√ľndigung seines Arbeitsvertrages war wirksam (vgl. BAG 02.03.2006 ‚Äď 2 AZR 53/05).

Dieser Fall d√ľrfte jedoch die Ausnahme bilden. Die Praxis zeigt, dass gerade die Unkenntnis auf Seiten der Unternehmen dazu f√ľhrt, dass K√ľndigungen im Bereich der Krankheit unwirksam sind.

Nadine Schaarschmidt
Rechtsanwältin






Arbeitsrechtskanzlei Groll & Partner   Neue Mainzer Straße 20   60311 Frankfurt am Main
Copyright © 2017 Arbeitsrechtskanzlei Groll & Partner