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Arbeitsrechtskanzlei Groll & Partner, Arbeitsrecht Frankfurt














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ÔÇ×Lieber optimal als maximalÔÇť

Der Arbeitsrechtler Peter Groll ├╝ber psychologische Kriegsf├╝hrung beim Abfindungspoker ÔÇô und die richtige Zeit f├╝r Kompromisse

Peter Groll, 46, ist Fachanwalt f├╝r Arbeitsrecht in Frankfurt und vertritt unter anderem F├╝hrungskr├Ąfte aus der Finanzbranche.

Herr Groll, streiten erfahrene F├╝hrungskr├Ąfte erfolgreicher um Jobs oder Abfindungen?
In eigner Sache ist man bekanntlich der schlechteste Ratgeber. F├╝hrungskr├Ąfte f├╝hren sich aus Selbst├╝bersch├Ątzung ungeschickt auf. Nur weil sie gewohnt sind, schnell und taktisch f├╝r ihr Fach zu denken, hei├čt das nicht, dass sie die Strategie des Personalchefs durchschauen. Fatalerweise werden die meisten Fehler im Abfindungspoker in dem ersten, aus Mitarbeitersicht h├Ąufig ├╝berraschenden, Gespr├Ąch gemacht. Wer da schon seine Interessen und Ziele nennt, der hat gleich Land verloren. Da wird es f├╝r den sp├Ąter beauftragten Anwalt schwierig.

Treffen Sie h├Ąufig auf ├╝berzogene Anspr├╝che?
Gelegentlich und in allen Gehaltsklassen. Viele haben von tollen sechsstelligen Summen in anderen F├Ąllen geh├Ârt ÔÇô aber das waren eben anders gelagerte F├Ąlle. Auff├Ąllig ist in diesem Kontext, wie sehr Selbstbild und Fremdbild von der Arbeitssituation bei manchen Menschen auseinandergehen.

N├Ąmlich?
Der Mandant schildert seine Sicht der Dinge und wie wichtig er bislang f├╝rs Unternehmen war. Aber wenn Sie danach als Anwalt noch vor dem ersten Gerichtstermin mit der Gegenseite reden, pr├Ąsentiert die oft eine ganz andere Wahrheit. Und manches Mal stimmt die, zum Beispiel was fr├╝here berufliche Fehler angeht, die der Arbeitnehmer gro├čz├╝gig abgehakt hat.

B├Âse ├ťberraschungen torpedieren die beste Strategie. Was wollen Sie von Ihren Mandanten deshalb vorher alles wissen?
Seine Leichen im Keller. Denn keinem Arbeitgeber ist es verboten, danach zu suchen und das Ergebnis gegen Sie zu verwenden. Nicht jeder hat Leichen im Keller, aber wer welche hat, der erinnert sich daran ÔÇô garantiert. Mandant und Anwalt m├╝ssen wissen, wie dick das Eis ist, ├╝ber das sie laufen. Bei d├╝nnem Eis sind Samtpf├Âtchen angebracht.

Welche Leichen sind denn die beliebtesten?
Immer noch die Reisekostenabrechnungen, aber inzwischen auch die private Internet- und Telefonnutzung im B├╝ro. Die Frage ist oft nicht, ob einer gesurft hat, sondern wie lange und auf welchen Seiten. Wom├Âglich Pornoseiten? Immer gerne genommen und f├╝r viele ├╝berraschend leicht nachweisbar.

Angenommen, der Mitarbeiter hat eine bl├╝tenwei├če Weste: Sein Noch-Chef wird ihn trotzdem unter Druck setzen, um die Abfindung zu minimieren. Kann man gute Nerven trainieren? Nein. Keiner ist ausreichend belastbar. Oft knicken gerade die F├╝hrungskr├Ąfte nach drei bis vier Wochen gewaltig ein. Wenn die Unternehmen richtig mit ihnen Schlitten fahren, kratzt das an ihrem Ego ganz besonders. Entscheidender als Psychotraining ist f├╝r eine Aufhebungsvertragsverhandlung ist, wie eng Anwalt und Mandant kommunizieren. Sobald neue Fragen oder Vorschl├Ąge auftauchen, m├╝ssen sich die beiden kurzschlie├čen. Viele Unternehmen arbeiten auch damit, einen Keil zwischen Arbeitnehmer und Anwalt zu treiben. Nach dem Motto: Mit ihnen k├Ânnen wir ja, aber so lange sie sich von Herrn oder Frau Sowieso vertreten lassen...

Kein Trick ist zu abgedroschen?
Nein, warum auch? Es geht ja um viel Geld. Ein Beispiel: Eine Bank hat einen EDV-Leiter, w├Ąhrend seines K├╝ndigungsschutzverfahrens, als alternatives Job-Angebot in eine komplett leerstehende Villa ohne Telefonanschluss versetzt damit der dort Dateien sortiert. Damit ist sie zu meiner ├ťberraschung vor dem Arbeitsgericht Frankfurt durchgekommen. Erst bei der Mobbing-Klage gab die Bank klein bei.

Wann ist es Zeit Kompromisse zu schlie├čen?
Wenn es dem Arbeitnehmer psychisch an die Substanz geht. Viele Unternehmen wissen, wie sie das passgenau hinbekommen. Es hat keinen Sinn, mit einer hohen Abfindung als Wrack zu enden. Oder beim ersten Vorstellungstermin in einer neuen Firma in Tr├Ąnen auszubrechen, wenn man nach dem letzten Arbeitsverh├Ąltnis gefragt wird. Ich rate auch, solche Entscheidungen mit seinem Lebensgef├Ąhrten abzustimmen ÔÇô ├╝ber solche Stresssituationen ist schon mehr als eine Beziehung gescheitert. Wichtig ist die Einsicht: Optimal ist eben nicht das selbe wie maximal.

Was gilt, wenn der geschasste Arbeitnehmer zwischenzeitlich einen neuen Job findet?
Klappe halten! Das sollte der alte Arbeitgeber w├Ąhrend der Abfindungsverhandlung nicht wissen. Deshalb rate ich grunds├Ątzlich, so gut wie niemanden einzuweihen ÔÇô die Welt ist klein, vor allem innerhalb einer Branche. Riecht der alte Chef den Braten, nimmt er die K├╝ndigung l├Ąchelnd zur├╝ck und der Kl├Ąger kann seinen alten Job wiederhaben. Das will er aber nicht mehr und eine Abfindung hat er damit erfolgreich verspielt.

Verhandeln Sie gemeinsam mit Ihrem Mandanten beim Arbeitgeber?
Sicher nicht. So halte ich mir immer noch das T├╝rchen auf, vor einer Entscheidung erst Mal mit dem Mandanten R├╝cksprache halten zu m├╝ssen. Das macht die Gegenseite nicht anders: Da sitzt auch nicht der letztendliche Entscheider dabei. Alle wollen eben Zeit zum Pokern gewinnen.

anke.henrich@wiwo.de






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