Impressum Anfahrt Impressum Datenschutzerklärung

Arbeitsrechtskanzlei Groll & Partner, Arbeitsrecht Frankfurt














kanzlei groll & partner » newsletter » online lesen



Zeugnisse sind zur richtigen Zeit zu verhandeln

Es gibt vor allem zwei Herangehensweisen zum Thema Zeugnis: Entweder man h├Ąlt es f├╝r unglaublich wichtig oder man bezeichnet ein Zeugnis als ├╝berfl├╝ssig. Letzteres kann es tats├Ąchlich in einigen Branchen sein, etwa im Kreativbereich. Meist braucht man das Zeugnis aber doch, um seine Karriere voranzutreiben und seinen Lebenslauf f├╝r Bewerbungen nachweisbar zu untermauern.

Immer wieder nehmen wir zur Kenntnis, dass sich sowohl Arbeitnehmer als auch Anwaltskollegen zu sp├Ąt oder gar keine Gedanken um den Zeugnisinhalt machen oder dieser zum falschen Zeitpunkt angegangen wird. Aber warum ist das so wichtig?

Ganz einfach: Arbeitgeber haben auf Anfrage nur ein qualifiziertes Zeugnis auszustellen. Dies mit der Note befriedigend. Wer sich besser sieht und auch so beurteilt werden will, dem wird von der Rechtsprechung die Darlegungs- und Beweislast aufgehalst. ├ťber diese H├╝rden zu springen und auch nachzuweisen, dass man besser als der Durchschnitt gearbeitet und sich verhalten hat, das ist unglaublich schwierig und kaum zu leisten. Die taktische Herangehensweise ist daher entscheidend, wenn man nicht ganz der ├ťberflieger war oder aufgrund von Reibungshitze bei der Trennung vom alten Arbeitgeber mit Problemen beim Zeugnis zu rechnen ist.

Vollkommen falsch ist nat├╝rlich die Herangehensweise, erst nach einer Eigenk├╝ndigung ein Zeugnis einzufordern. Sollte dieses Zeugnis n├Ąmlich nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen, gibt es nahezu kein Druckmittel mehr gegen├╝ber dem Arbeitgeber, diesen zu motivieren das Zeugnis aufzuh├╝bschen. Vor allem geht das dann nur mit einer Klage und einem f├╝r den Arbeitgeber damit verbundenen Aufwand. Dies erleben wir derzeit auch wieder in einigen Gerichtsverfahren, die wir f├╝r ausgeschiedene Mitarbeiter gegen die Deutsche Bank f├╝hren.

Besser w├Ąre jedenfalls man h├Ątte sich vorher ein Zwischenzeugnis geben lassen. Von diesem kann der Arbeitgeber als Reaktion auf eine Eigenk├╝ndigung n├Ąmlich nicht so einfach negativ abweichen.

Auch verfehlt ist es, wenn man nach K├╝ndigung des Arbeitgebers im Verfahren bei Gericht einen Vergleich schlie├čt der zwar eine ansehnliche Abfindungssumme und Freistellung beinhaltet, das Thema Zeugnis aber str├Ąflich au├čer Acht l├Ąsst. Denn wann wenn nicht jetzt ist der Zeitpunkt aus der Position der St├Ąrke heraus noch sich ein gutes oder sogar sehr gutes Zeugnis zusichern zu lassen.

Deshalb haben gute Interessenvertreter stets und bis zum Schluss der Verhandlung im Blick, dass mit dem Arbeitgeber ganz konkrete Inhalte des Zeugnisses vereinbart werden. Denn manches muss der Arbeitgeber gar nicht best├Ątigen, obwohl es in einem Zeugnis erwartet wird. Derzeit kann nach der Rechtsprechung des BAG der Arbeitgeber nicht gezwungen werden, ein Ausscheiden des Mitarbeiters zu bedauern und ihm f├╝r seine private und berufliche Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg zu w├╝nschen. Ohne einen solchen Passus ist das Zeugnis allerdings das Papier nicht wert auf dem es steht.

Es gilt daher zur rechten Zeit in der rechten Art und Weise vorausschauend zu agieren.


Peter Groll
Fachanwalt f├╝r Arbeitsrecht






Arbeitsrechtskanzlei Groll & Partner   Neue Mainzer Straße 20   60311 Frankfurt am Main
Copyright © 2017 Arbeitsrechtskanzlei Groll & Partner