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„Zwei Stunden Urlaub im Arbeitsrecht nicht vorgesehen“

Das BĂŒro ist keine fußballfeindliche Zone. Aber wer am Arbeitsplatz ein Fußballspiel sehen will, sollte vorher mit dem Chef sprechen.

Von Friederike Haupt

Ist da nicht auf einmal dieser stechende Kopfschmerz? Dieses Kratzen im Hals? Die Schniefnase? Eine Sommergrippe könnte im Anmarsch sein, und sie könnte einen just heute, pĂŒnktlich zum WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien, niederstrecken. Dann lĂ€ge man schlapp im heimischen Krankenbett - oder auf dem Sofa, Bier in Griffweite, falls die tĂŒckische Blitzgrippe nur inszeniert war. FĂŒr den Chef, weil der einem wĂ€hrend der Arbeitszeit kein FernsehfußballvergnĂŒgen gönnt. WĂ€hrend die deutschen Kicker zu ihrem ersten Spiel sehr angestelltenfreundlich am Sonntagabend antraten, laufen sie heute schon um 13.30 Uhr in Port Elizabeth auf den Rasen - wenn die meisten anstĂ€ndigen Menschen im BĂŒro sind.

Was also tun? Eine Krankheit vorzutĂ€uschen scheint jedenfalls nicht der beste Weg zu sein. „In jedem Falle gilt es den Satz zu vermeiden: ,Wenn ich keinen Urlaub bekomme, dann bin ich eben krank'“, sagt Peter Groll, Fachanwalt fĂŒr Arbeitsrecht. Das sei eine Steilvorlage fĂŒr eine fristlose KĂŒndigung. Auch einen eigenen Fernseher mitzubringen und in Betrieb zu nehmen oder das Spiel im Livestream am Computer zu verfolgen sei keine gute Idee. Zumindest nicht wĂ€hrend der Arbeitszeit: „In dieser Zeit hat man den Interessen des Arbeitgebers nachzukommen und nicht etwa seinen Eigeninteressen als Fan der Nationalmannschaft“, stellt Groll klar. Zwei Stunden Urlaub zu nehmen sei leider im Arbeitsrecht nicht vorgesehen. Dann mĂŒsse es schon ein ganzer Tag sein, aber nur, wenn der Chef dem zustimmt. Ist also das BĂŒro eine fußballfeindliche Zone?

Ein Bierchen ist erlaubt

Nein, denn mit den meisten Vorgesetzten lĂ€sst sich durchaus verhandeln. Sie können sogar zu ganz neuer Beliebtheit gelangen, wenn sie als Retter in der Not des mittĂ€glichen Anstoßes auftreten. Außerdem kann eine gemeinsame Sportschau auch den Teamgeist stĂ€rken: „Wann hat man sonst schon mal die Gelegenheit, mit seinem Manager locker bei einem Bier zu plaudern“, sagt ein Mitarbeiter der Deutschen Bank. Dort seien alle WM-Spiele auf LeinwĂ€nden zu sehen; es schaue aber natĂŒrlich nicht jeder jedes Spiel. Wer Zeit habe, komme - und am Freitag dĂŒrften sich viele die Zeit nehmen.

Beim Nachrichtendienstleister Bloomberg werden zum Spiel sogar GeschĂ€ftspartner erwartet - zu „Snacks und Drinks“ und Leinwandfußball wurden sie in den Vortragssaal des Frankfurter BĂŒros eingeladen, wie ein Mitarbeiter berichtet. Aber auch Kollegen, die Zeit haben, können spontan vorbeikommen: „Da sind wir ganz easy.“

Bei der Frankfurter Sparkasse geht man das Ganze systematischer an. Es gebe zwar keine eigene „WM-Arbeitszeitregelung“, sagt Sprecher Mathias Behrendt. Doch seit Dienstag stehe fest, dass das Deutschlandspiel in einem Vortragsraum in der Zentrale auf Großleinwand gezeigt werde. Wer komme, verbuche das als neunzigminĂŒtige Pause in seinem Arbeitszeitkonto - Fußballzeit ist also Freizeit. Die Abteilungen mĂŒssten allerdings „arbeitsfĂ€hig“ bleiben: Wer nicht kommen kann, muss sich mit dem hausinternen Tippspiel trösten.

In der Werbeagentur McCannEricson wird mit Blick auf das leibliche Wohl gemeinsam in der Kantine geguckt. Dort steht eine Leinwand: „Wer Lust und Laune hat, kommt“, sagt IT-Mann Markus Schweitzer, der fĂŒr die Technik bei der Übertragung zustĂ€ndig ist. Weil die Agentur international tĂ€tig sei und Mitarbeiter aus vielen LĂ€ndern habe, wĂŒrden alle Spiele ĂŒbertragen - von 17 Uhr an mit Barbetrieb. „Da darf auch schon mal ein Bierchen getrunken werden“, sagt Schweitzer.

„Fußball ist schließlich nicht nur unser TagesgeschĂ€ft“

Weniger großzĂŒgig ist man im PolizeiprĂ€sidium. Fernseher gebe es zwar „zu dienstlichen Zwecken“, doch dazu zĂ€hle gemeinsames Fußballgucken nicht, sagt Sprecher Manfred Vonhausen. Wer heute frĂŒher gehen wolle, könne dies aber voraussichtlich tun: „Da wird großzĂŒgig verfahren.“ Einige Kollegen seien ohnehin beim Fußball-Kino am Rossmarkt im Einsatz: „Es ist nicht auszuschließen, dass da vorher gefragt wurde, wer das besonders gern machen will.“

In der DFB-Zentrale war das keine Frage. Dort werden heute die Mitarbeiter das Spiel gemeinsam auf einer Leinwand im grĂ¶ĂŸten Tagungsraum verfolgen. Das hat der fĂŒr Personal zustĂ€ndige DFB-Direktor schon vor zwei Wochen versprochen. Auch Sprecher Michael Herz will dann dabei sein: „Fußball ist schließlich nicht nur unser TagesgeschĂ€ft, es ist auch unsere Leidenschaft.“

Text: F.A.Z.

Bildmaterial: Verena MĂŒller

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