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Arbeitsrechtskanzlei Groll & Partner, Arbeitsrecht Frankfurt














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Jede zweite Frau um 30 wird im Vorstellungsgespräch mit der Frage nach ihren Kinderplänen konfrontiert. Dass sie illegal ist, hilft in Zeiten des Bewerber-Überangebots wenig. Nur wer richtig reagiert, hat Chancen auf den Job.


Siegessicher trat Mareike Steffens*, 30, aus dem Chefzimmer. Ihr erstes Vorstellungsgespr√§ch war gl√§nzend gelaufen. F√ľr die ausgegliederte GmbH einer Stadtverwaltung hatte sie ein Marketingkonzept entworfen und damit den Vorsitzenden des Regierungspr√§sidiums schwer beeindruckt. Das Jobangebot schien nur noch Formsache zu sein.

Umso h√§rter traf es die Wirtschaftswissenschaftlerin, als der Amtsleiter sie ausgerechnet vor dem B√ľro der Frauenbeauftragten zur Seite nahm: Es sei der Stadtverwaltung zu gef√§hrlich, sie einzustellen, erkl√§rte er. In ihrem Alter sei nun mal jederzeit damit zu rechnen, dass sie sich in die Mutterschaft verabschiede. Der Verdacht reichte, um Mareike Steffens aus dem Rennen zu werfen. Die Stelle bekam ein Mann.

MIT 30 SCHNAPPT DIE FALLE ZU. Es sollte nicht das letzte Mal sein. In acht von zehn Vorstellungsgespr√§chen wurde ihr mehr oder weniger deutlich gemacht, dass sie als potenzielle Mutter ein Risiko f√ľr das Unternehmen darstelle. Mittlerweile reagiert Steffens auf die K-Frage nur noch mit Sarkasmus: "Demn√§chst werde ich jeder Bewerbung einen Vertrag √ľber eine zuk√ľnftige Tagesmutter beilegen. Au√üerdem verpflichte ich mich, mein Kind in der Mittagspause zur Welt zu bringen und f√ľr die Elternzeit meinen Jahresurlaub zu nutzen."

Bis Mitte 20 werden Frauen relativ selten auf ihre Babypl√§ne angesprochen. Doch sp√§testens mit dem 30. Geburtstag schl√§gt die Familienfalle endg√ľltig zu. Jedes zweite Bewerbungsgespr√§ch steuere in dieser Altersgruppe irgendwann auf die leidige Kinderfrage hin, sch√§tzt Ute Zander, Karriereberaterin beim Hamburger B√ľro f√ľr Berufsstrategie. Bewerberinnen f√ľr eine F√ľhrungsposition m√ľssten sogar davon ausgehen, dass Fragen nach der Familienplanung "fast in 100 Prozent aller F√§lle mittelbar oder unmittelbar gestellt werden", hat der Frankfurter Fachanwalt f√ľr Arbeitsrecht Peter Groll erfahren.

Obwohl mittlerweile 40 Prozent aller Akademikerinnen und 75 Prozent der F√ľhrungsfrauen kinderlos bleiben, sind Erkundigungen nach der privaten Lebensplanung immer noch Standard in Vorstellungsgespr√§chen. Bundesarbeitsgericht und Europ√§ischer Gerichtshof haben Fragen nach Kinderwunsch, Schwangerschaft und Familienverh√§ltnissen zwar ausdr√ľcklich verboten, doch Personalverantwortliche h√§lt das kaum ab. Wissen sie doch allzu gut, dass keine Bewerberin es wagen w√ľrde, den potenziellen Chef - sozusagen zum Einstand - gleich vor Gericht zu zerren.

Vor allem kleine und mittelst√§ndische Unternehmen mit knappem Personalbudget setzten sich √ľber das Diskriminierungsverbot hinweg, wei√ü Ute Zander. Konzerne sind durch ihre Gleichstellungsbeauftragten f√ľr das heikle Thema st√§rker sensibilisiert. Doch auch sie haben Tricks entwickelt, um Bewerberinnen √ľber ihre Babypl√§ne auszuhorchen.

WIE WOHNEN SIE DENN SO? Peter Groll kennt die Kniffe aus seiner Zeit als Personalleiter bei der Lufthansa. Da wird zum Beispiel gefragt, wie die Bewerberin denn wohne. "Wenn sie dann erzählt, dass sie und ihr Mann vier Zimmer haben, von denen eins nicht genutzt wird, gehe ich davon aus, dass sie Kinder will. Jedenfalls eher als bei einer 15o-Quadratmeter-Maisonettewohnung mit offenem Kamin."

Doch viele Kandidatinnen schaffen es gar nicht erst ins Vorstellungsgespr√§ch: "Seit ich 30 bin, ist es ganz schwer geworden, √ľberhaupt eine Einladung zu bekommen", erz√§hlt Kommunikationsdesignerin Bettina Gaugenrieder, die in Augsburg verheiratet ist. "Offenbar habe ich da eine magische Altersgrenze √ľberschritten." Und klappte es doch mal mit dem Gespr√§ch, dann ging der job letztlich immer an einen Mann.

Auch Esther Meuren-Keppler, heute selbst Personalerin bei der DekaBank, musste sich bei Bewerbungen immer wieder f√ľr ihr Geschlecht rechtfertigen ‚Äď selbst vor ihresgleichen. "Mit 32 bin ich gefragt worden, ob es jetzt nicht Zeit w√§re f√ľr ein Kind", erinnert sie sich. "Die Frage kam von einer Frau, die selbst keine Kinder hatte, aber ihren Hund mit ins Vorstellungsgespr√§ch brachte." Meuren-Keppier konterte souver√§n: "Wenn ich vorh√§tte, jetzt ein Kind zu bekommen, w√ľrde ich auf meiner sicheren Stelle in einer Gro√übank bleiben und nicht in die IT-Branche wechseln."

So abgekl√§rt reagiert nicht jede: "Frauen f√ľhlen sich oft verunsichert und meinen, sie m√ľssten ehrlich antworten", hat Karriereberaterin Ute Zander erfahren. Dabei sei Personalverantwortlichen durchaus bewusst, dass die Frauen - wie von den Gerichten ausdr√ľcklich erlaubt - nicht immer die Wahrheit sagen. "Das ist ein Spiel", erkl√§rt Zander, "mit dem Personaler pr√ľfen, wie souver√§n die Bewerberin reagiert." Wer sein Gegen√ľber emp√∂rt auf das Frageverbot hinweist, tappt prompt in die Falle. Statt nerv√∂s herumzuzicken, sollten Bewerberinnen unbeirrt freundlich bleiben und ein knappes, klares Statement abgeben, das sie sich schon zu Hause zurechtgelegt haben.

KEINE SKRUPEL BEIM L√úGEN! Unproblematisch ist es, wenn die Kandidatin momentan wirklich keine Kinder will. Dann kann sie bei der Wahrheit bleiben. Allerdings sollte der Schwerpunkt ihrer Antwort nicht auf der Familienfrage liegen, sondern auf der Karriere. "Lassen Sie die Leidenschaft f√ľr Ihren Beruf durchspr√ľhen", empfiehlt Ute Zander und schl√§gt eine Antwort vor, die jedem Personaler den Wind aus den Segeln nimmt: "Ich habe viel Zeit, Kraft und Energie in meine Ausbildung investiert. Deshalb steht f√ľr mich in den n√§chsten Jahren die berufliche Entwicklung absolut im Vordergrund. Das habe ich auch mit meinem Partner besprochen. Ich freue mich sehr darauf, Ihr Unternehmen demn√§chst als ... zu unterst√ľtzen."

Was aber, wenn die Bewerberin tats√§chlich bald eine Familie gr√ľnden m√∂chte? "Ich bin keinem Menschen zur Wahrheit verpflichtet und sage einfach Nein", erkl√§rt die 34-j√§hrige Ingenieurin Tina Rauch". "Wenn die Personaler kein schlechtes Gewissen haben, die Frage zu stellen, muss ich beim L√ľgen auch keins haben." Vorsicht ist allerdings geboten, wenn die Bewerberin bereits schwanger ist. Verschweigt sie ihren Zustand, darf der Arbeitgeber den Vertrag zwar nicht nachtr√§glich anfechten. Aber die L√ľge k√∂nnte das Arbeitsklima auf Jahre vergiften - kein guter Start in den neuen Job.

"Es gibt durchaus auch Unternehmen, die schwangere Frauen einstellen", wei√ü Nina Bessing von der Europ√§ischen Akademie f√ľr Frauen in Politik und Wirtschaft. Dann sollte aber das R√ľckkehrkonzept bis zum Vorstellungsgespr√§ch fix und fertig sein. Der Arbeitgeber will schlie√ülich wissen, wann die neue Kollegin wieder zur Verf√ľgung steht. Dass mittlerweile auch f√ľnf Prozent der M√§nner in Elternzeit gehen, hat sich unter Personalverantwortlichen allerdings noch nicht herumgesprochen. Ihnen bleibt die nervige Kinderfrage fast immer erspart, wei√ü Rechtsanwalt Groll: "M√§nner fragt man h√∂chstens nach wilden Sportarten, mit denen sie sich die Birne einrennen."

BRITTA DOMKE

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Sieben clevere Antworten

"Ich habe mir in den vergangenen f√ľnf Jahren eine sehr gute berufliche Position erarbeitet. Um das zu erreichen, musste ich viel Energie und Ehrgeiz investieren. Warum sollte ich das jetzt alles hinwerfen, um ein Baby zu betreuen?"

"Das fragen Sie mich sicher, um zu erfahren, wie ernst mir meine Karriere ist. Dazu kann ich Ihnen nur sagen: Sehr ernst, denn sonst wäre ich jetzt nicht hier."

"Familie? Finde ich gut. Auf meine kann ich mich jederzeit verlassen."

"Mein Mann und ich wollen uns in den n√§chsten Jahren erst mal finanziell etwas aufbauen, bevor wir uns √ľber Kinder Gedanken machen."

"Ich mag Kinder gerne, aber eigene möchte ich nicht. Mein Bruder hat drei, da bin ich lieber Tante."

"Als karrierebewusste und gut ausgebildete Frau w√ľrde ich sicher nicht gerade dann den Job wechseln, wenn ich famili√§re Ziele habe."

"Ich war jetzt einige Monate arbeitslos. Wenn ich ein Kind gewollt h√§tte, h√§tte ich in dieser Zeit die beste Gelegenheit dazu gehabt. Aber meine berufliche Zukunft geht f√ľr mich absolut vor."

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